Mit umjubelter Gala traf Gefeller Faschingsclub im Rathaussaal den Nerv des Publikums. Drucken E-Mail
Geschrieben von: Roland Barwinsky / OTZ   

Gefell. Ein dunkler Mittelklassewagen fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit durch die ­Lobensteiner Straße von Gefell. Ein Mann, der es recht eilig hatte, stieg aus, nahm flugs noch einen kleinen Schluck und betrat das Schulgebäude. Die Eile war überflüssig, denn der Unterricht hatte längst begonnen. Wie immer kam er zu spät. Der erstaunte Lehrer erfuhr, dass sein Schüler wieder Probleme bewältigen musste. Ärger gab es mit Frauen und chronischem Geldmangel. Und eigentlich müsse er ja nicht in die Schule, denn er habe ja eine Berufung - zum Bürgermeister, so der selbstbewusste Schüler.

Bei diesem eingespielten Video explodierte am Sonnabend regelrecht die Stimmung im Rathaussaal von Gefell, denn schließlich ging es um niemand anderes als den Bürgermeister selbst. Die "Ußßen" rückten in diesem Jahr die Schule in den Mittelpunkt des Karnevals.

Das närrische Volk erlebte einige Unterrichtseinheiten. Beispielsweise im Fach Deutsch. Das ist bekanntlich unsere Muttersprache. Auch deswegen - so die mit viel Schabernack ausgestatteten Karnevalisten - weil die Väter daheim sowieso nichts zu sagen hätten. In der anschließenden Biostunde ging es um Hunde, um umher irrende Tauben. Ein Austauschschüler zeigte wenig später wie Nachsitzen mit Niveau funktioniert. Nämlich mit einer Gitarre, einer wohltuenden Portion Poesie sowie dem Lied "Ilse macht Mettwurst". Auch dieser Ulk kam an. Genauso die Beiträge der verschiedenen Tanzgruppen aller Altersgruppen auf dem Parkett.

Im Rathaussaal spielte sich fast alles fernab der Bühne und direkt vor dem Publikum ab. Wie der einst hierzulande durchgeführte obligatorische Fahnenappell. Roland Färber erinnerte an dieses nervige Ritual aus DDR-Zeiten und erschien mit revolutionärer Kriegsbemalung, mehreren Kampforden und exklusiven Brüllern. Er übernahm die Rolle des ideologischen Einpeitschers, wollte ­etwas Rotlichtbestrahlung erteilen. Aber seine Schüler funktionierten nicht, nahmen eine strikte Verweigerungshaltung ein. Wer diese planlosen Gestalten sah, ahnte vielleicht, warum es mit dem real existierenden Sozialismus seinerzeit nicht so recht klappte. Ganz anders war die lustige Meute dann beim Sport drauf und noch besser lief der Wandertag. Mit dem Rennsteiglied erholten sich die Kinder vom Alltagsstress, hüpften durch das Gelände und freuten sich, nicht büffeln zu müssen.

Längst hatten sich viele im Saal von den Plätzen erhoben und amüsierten sich bei der Büttenrede oder als für ausgesonderte "Leerkräfte" neue Jobs gesucht wurden. Getobt wurde regelrecht als das Männerballett den Raum in Beschlag nahm. An "Tagen wie diesen" - der gemeinsam gesungenen Abschiedsmelodie - war hier längst nicht Feierabend. Hochbetrieb herrschte an den Theken, um die persönliche Schulzeit hoch ­leben zu lassen.

Am 7. Februar ist im Gefeller Rathaussaal Weiberfasching. Am 8. Februar folgt der 2.Gala-Abend, Beginn jeweils 20 Uhr. Karten an der Abendkasse oder bei Radio Rank.

Roland Barwinsky / 03.02.14 / OTZ